Trinkwasser: Verbote aufgehoben – Appell an gemeinsame Verantwortung, alle in der Region können etwas tun

Hände halten einen Wassertropfen

Die vier Kommunen des Wasserbeschaffungsverbands (WBV) „Am Wiehen“ heben am Freitag, den 24. Juli, die seit dem 24. Juni 2026 geltende ordnungsbehördliche Verordnung auf. Damit endet nach einem Monat der Ausnahmezustand. Statt auf Verbote wird in Bad Oeynhausen, Hille, Hüllhorst und Löhne ab sofort auf das Prinzip der Freiwilligkeit gesetzt. Doch die Lage bleibt ernst, und die Trinkwasser-Ampel bleibt auf Rot. Zwar lag der Verbrauch gestern mit 16,7 Mio. Litern erstmals seit Wochen wieder im Sommer-Zielbereich. Dieser Rückgang ist jedoch vor allem auf das kühlere Wetter und die Urlaubszeit zurückzuführen. Die verfügbare Jahresmenge an Trinkwasser bleibt unverändert knapp. Gleichzeitig verschärft der anhaltend niedrige Wasserstand der Weser die Situation und schränkt die Eigenförderung der Stadtwerke Bad Oeynhausen weiter ein.

Die Bürgermeister aller vier Städte und Gemeinden appellieren deshalb an alle Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende, Landwirte und die Industrie: „Bitte gehen Sie weiterhin sparsam mit der knappen, kostbaren Ressource Wasser um. Wenn möglichst viele im Verbandsgebiet ihren Beitrag leisten, können wir alle gemeinsam einen weiteren Ausnahmezustand verhindern und unsere Vision angehen: Wir wollen in der Region einen nachhaltigen Umgang mit Wasser vorantreiben – mit den Menschen vor Ort und gut eingebunden in die regionalen Netzwerke, in denen wir aktiv sind.“ In den nächsten Monaten werden deshalb Projekte und Initiativen gestartet und fortgeführt – immer mit dem Ziel Menschen zusammenzubringen, das Gemeinwohl zu fördern und die Versorgung mit Trinkwasser zu stärken.

Was die ordnungsbehördliche Verordnung (oVO) gebracht hat und was nicht
Der WBV „Am Wiehen“ zieht Bilanz: „Die Verordnung ist ein Instrument, das dann zum Einsatz kommt, wenn die Versorgung anders nicht mehr gesichert werden kann“, so Michael Kasche, Verbandsvorsteher des WBV „Am Wiehen“. „Die Ordnungsämter haben während des Ausnahmezustands kontrolliert und sind Hinweisen konsequent nachgegangen. In vielen Fällen stellte sich dabei heraus, dass Wasser rechtmäßig genutzt wurde, beispielsweise aus eigenen Zisternen oder Hausbrunnen. Bußgelder mussten nur in Einzelfällen verhängt werden.“

Die Verordnung hat dazu beigetragen, die Versorgung im Ausnahmezustand zu sichern. Sie allein kann aber kein dauerhaftes Bewusstsein für den sorgsamen Umgang mit Wasser schaffen. Entscheidend ist, dass alle im Verbandsgebiet weiterhin verantwortungsvoll mit der Ressource Wasser umgehen.

Warum die Ampel weiterhin auf Rot bleibt

Die weiterhin knappe verfügbare Jahresmenge:
Während der Hitzeperiode haben die Zulieferpartner erhebliche Mehrmengen an Trinkwasser bereitgestellt. Sie haben damit die Versorgung stabil gehalten. Dafür sagt der WBV „Am Wiehen“ herzlich Danke. Die vorgezogenen Mengen fehlen im weiteren Jahresverlauf. Das verfügbare Wasserbudget aus den Zukäufen ist damit für 2026 spürbar enger geworden.

Die Lage an der Weser:
Am 22. Juli 2026 ist der Wasservorrat der Edertalsperre unter das für die Normalwasserabgabe erforderliche Speichervolumen von 40 Mio. Kubikmetern gefallen. Daraufhin wurde die Abgabe auf die Mindestabgabe von 6 m3/s reduziert (Quelle: Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser). Damit endet die Stützung des Weser-Wasserstands durch die Edertalsperre, es ist mit weiter sinkenden Pegeln der Weser zu rechnen. Weil ein großer Teil der Eigenförderung der Stadtwerke Bad Oeynhausen auf Uferfiltrat der Weser beruht, verringert sich die dortige Förderleistung deutlich – dies wird sich ebenfalls auf die verfügbare Gesamtmenge an Trinkwasser beim WBV „Am Wiehen“ auswirken.

„Die Lage bleibt unverändert angespannt“, erklärt Michael Kasche. „Was sich geändert hat, ist unsere Haltung: Wir möchten nicht weiter auf Vorschriften setzen, sondern auf die gemeinsame Verantwortung aller Menschen im Verbandsgebiet.“ Und Lars Bökenkröger, stellvertretender Verbandsvorsteher und Bürgermeister von Bad Oeynhausen, ergänzt: „Natürlich leisten auch wir unseren Beitrag. Wir investieren weiter in die Zukunft unserer Wasserversorgung: durch neue Brunnen in Hille und Löhne, die Reaktivierung des Brunnens Flachssiek in Bad Oeynhausen, die Prüfung einer zusätzlichen Verbundleitung und weiterer Brunnenstandorte sowie durch die laufende Sanierung der eigenen Anlagen. Diese Projekte werden uns in diesem und im nächsten Jahr noch nicht entlasten können, auch wenn sie bereits gestartet sind. Deshalb ist es umso wichtiger, dass jeder seinen Beitrag für das Gemeinwohl leistet und sparsam mit Trinkwasser umgeht.“

Vom Verbot zur gemeinsamen Verantwortung
Mit dem Ende der Verordnung legt der WBV „Am Wiehen“ die Verantwortung bewusst in die Hände aller vor Ort – und setzt auf Zusammenarbeit, gute Beispiele und gemeinsame Ziele. „Immer wieder wurden wir in den letzten Wochen gefragt, ob Industrie und Gewerbe ebenfalls zum Wassersparen beigetragen haben“, informiert Lars Bökenkröger. „Wir haben in unseren Gesprächen festgestellt, dass Betriebe und Einrichtungen ein hohes Eigeninteresse daran haben, Wasser und Energie zu sparen. Viele verfolgen klare Nachhaltigkeitsziele. Deshalb wollen wir gelungene Beispiele sichtbar machen – auch mit dem Ziel, erfolgreich umgesetzte Ideen für mehr Ressourcenschutz ins gesamte Verbandsgebiet zu tragen.“

Wasserwissen und Innovation:

Der Blick geht nach vorn Parallel setzt der WBV „Am Wiehen“ seine Arbeit in den wasserwirtschaftlichen Netzwerken ÜKOWA und wasser^Plus OWL der TH OWL fort und treibt die Wasserbildung voran: mit einem VR-Brillenprojekt für 8-14-Jährige zum Wasserkreislauf als Projektpartner „MINT for all“ des zdi-Zentrums Minden-Lübbecke, mit der Fortsetzung des Trinkwasser-Unterrichts an Grundschulen mit der Deutschen Umwelt-Aktion e. V. sowie mit einem Escape-Room-Konzept zur Vermittlung von Wasserwissen an Jugendliche und einem geplanten Citizen-Science-Projekt im Rahmen der Mitgliedschaft bei wasser^Plus OWL.

„Die Verordnung mit ihren verbindlichen Regeln war notwendig, damit unsere Versorgung gesichert blieb“, so Michael Kasche. „Wenn es die Versorgungslage wieder erfordern sollte, werden wir sie erneut einsetzen, aber gestalten lässt sich damit nichts. Wir möchten stattdessen etwas aufbauen. Gemeinsam mit den Menschen, den Betrieben, den Einrichtungen, Vereinen und der Landwirtschaft in unserem Verbandsgebiet. Die Wasserknappheit wird sich weltweit und in allen Regionen Deutschlands im Zuge des fortschreitenden Klimawandels in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter verschärfen. Aktuell spüren wir dies hier deutlich. Wir möchten deshalb das Verständnis dafür fördern, wie knapp unsere Wasserverfügbarkeit weiterhin ist, wie wertvoll das Element Trinkwasser ist – und wie groß unsere gemeinsame Aufgabe ist, die Ressource zu schützen und zu erhalten.“

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